„Zum Jammern haben wir keinen Grund“
Sparkassenchef Scholz blickt beim CSU-Neujahrsempfang optimistisch auf 2013
Von Harry Bruckmeier
Mainburg. „Zum Jammern haben wir keinen Grund.“ Mit einer gehörigen Portion Optimismus blickte Dieter Scholz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Kelheim, beim CSU-Neujahrsempfang gestern Abend in der Stadthalle auf das bevorstehende Jahr 2013. Zwar wird das Ringen um die Stabilisierung der Währungsunion seiner Meinung nach auch in diesem Jahr anhalten. Auf der anderen Seite beginnen nach seinem Dafürhalten die von den Regierungen in Angriff genommenen Konsolidierungsmaßnahmen langsam zu greifen.
Nach Auffassung des Finanzexperten Dieter Scholz lautet die Frage nicht mehr „Bleibt der Euro?“ Vielmehr fragt er bei aller gebotenen Vorsicht, was mögliche Überraschungen in der Zukunft noch kosten könnten. Dabei sah er vor allem die Regierungen der Euro-Länder in der Pflicht, ihre Haushalte endlich in Ordnung zu bringen. „Hier muss Europa einen schwierigen Weg gehen, der aber durchaus gangbar ist“, sagte er.
„Handeln und sparen ist angesagt“, meinte Scholz mit einem besorgten Blick auf die 14 der 27 EU-Länder (darunter auch Deutschland!), deren Staatsverschuldung nach wie vor über dem Maastricht-Kriterium von 60 Prozent im Vergleich zu ihrem Bruttoinlandsprodukt liegt. Denn, so seine Analyse: „Die Eurokrise ist keine Krise des Euro, sondern ein Ergebnis eines schwächelnden weltweiten Finanzsystems nach der Bankenkrise und einer verfehlten Haushaltspolitik von einzelnen Staaten in Europa.“
„Der Euro bleibt - aber es stehen noch harte Zeiten bevor“, so lautete das Fazit von Dieter Scholz an der Schwelle zum neuen Jahr. Für Deutschland und Europa sagte er in den nächsten drei bis fünf Jahren eher verhaltene Konjunkturaussichten mit Wachstumsraten bis zu einem Prozent voraus. Dennoch gebe es derzeit keine Anzeichen für eine Rezession, betonte er.
Im Gegenteil, die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung des Kelheimer Sparkassenchefs weiter wachsen, der in diesem Zusammenhang den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit seiner Prognose von rund drei Prozent zitierte. Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Südafrika, Indien oder die Türkei werden laut Expertenmeinung sogar um vier bis sechs Prozent zulegen, wovon indirekt auch Deutschland als große Exportnation profitieren könnte. Große Chancen sähen deutsche Unternahmen aber vor allem im asiatischen Raum und hier insbesondere in China, so Scholz. Dieser Entwicklung geben die Notenbanken nach Einschätzung des Sparkassenchefs weltweit die notwendige Unterstützung in Form von niedrigen Geldmarktzinsen, mittelfristig bestehe daher nur eine geringe Inflationsgefahr.
Für die Anleger bedeute dies, angesichts eines niedrigen Zinsniveaus nicht in die Realzinsfalle zu tappen. Bei den Anlagen riet Scholz daher zu einer möglichst breiten Streuung in Geld- und Sachanlagen. „Setzen Sie nicht alles auf eine Karte, sondern versuchen Sie, Ihre Anlagen möglichst breit zu streuen“, so der gut gemeinte Tipp des Finanzexperten.
Ohne das Wort von der „german angst“ zu verwenden, das mittlerweile Eingang in den anglo-amerikanischen Sprachschatz gefunden hat, bedauerte es CSU-Ortsvorsitzende Hannelore Langwieser, dass die Deutschen in der Welt immer mehr als „ein einziger Jammerhaufen“ gesehen werden. Dabei sollten gerade die Deutschen als Exportnation froh sein um die gemeinsame Währung, „denn ohne den Euro gäbe es doch keinen europäischen Binnenmarkt“.
Auch CSU-Kreisvorsitzender Martin Neumeyer warnte zum Jahresauftakt vor Schwarzmalerei. Vielmehr sollten sich andere Staaten in puncto Finanzpolitik ein Beispiel an Bayern nehmen. Der CSU-geführte Freistaat lege in diesem Jahr seinen achten Haushalt ohne Neuverschuldung vor und zahle sogar zwei Milliarden Euro Schulden zurück. Davon sind die europäischen Krisenländer freilich weit entfernt. Das weiß natürlich auch der Landtagsabgeordnete Martin Neumeyer. Dass aber auch Bundesländer wie das rot-grün bzw. grün-rot regierte Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg aktuell vier bzw. 2,2 Milliarden Euro Neuverschuldung ausweisen, ist für den CSU-Politiker schlichtweg nicht nachvollziehbar.

Festredner beim Neujahrsempfang des Mainburger CSU-Ortsverbandes: Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Dieter Scholz (mitte), umrahmt von Landtagsabgeordnetem Martin Neumeyer und CSU-Ortsverbandsvorsitzender und Bezirksrätin Hannelore Langwieser.